Entrümpeln

Irgendwann geht es nicht mehr. Die Schublade quillt über, das Portemonnaie lässt sich kaum mehr schließen (wenn es an Geldscheinen liegt – herzlichen Glückwunsch – wenn nicht, bitte weiterlesen) und die Tasche oder der Rucksack ist so schwer, als wären Steine darin.

Auch in der kalten Jahreszeit, wenn wir mehr drinnen sind, nach innen gehen, bietet es sich an, sich einzelne Lebensbereiche vorzunehmen und Ordnung zu schaffen. Im Winter geht es nicht um das große Entrümpeln, sondern eher um die kleinen, verborgenen Ecken und Winkel – und umso leichter kannst du den großen Besen im Frühjahr schwingen.

Als Anreiz dafür, oder auch für das kleine Ausmisten zwischendurch, möchte ich von meiner ersten großen „bewussten“ Entrümpelungs-Aktion vor vielen Jahren erzählen.

Im Fluss
Damals begegnete mir das Buch von Karen Kingston „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“. Obwohl ich keinen Hang zum horten und aufheben zwecks eines späteren eventuellen Gebrauchs habe, war mir nach den ersten Seiten klar, dass es auch in meiner damaligen Wohnung noch einiges zu tun gab.

Auf den ersten Blick – alles in Ordnung (eigentlich). Ich zog einige Schubladen in Küche und Bad auf, sie waren doch recht voll.
Voll war dann auch schnell eine große Mülltüte: mit Flyern, Karten, Briefen, alter Kosmetik und Proben, Modeschmuck, Dinge die ich nicht benutzte.

Einmal im Fluss, machte ich weiter: „Warum stehen auf dem Balkon so viele leere Blumentöpfe? Ja, vielleicht kann ich sie irgendwann einmal brauchen. Nur, habe ich sie in den letzten Jahren gebraucht? Nein!“ Sie wanderten zu Freunden, einige in die Tonne, und ich behielt ein paar, die ich füllte. Endlich wieder mehr Platz auf dem Balkon!

Alte Energien
Als ich an meinen Kleiderschrank ankam, geriet meine Entschlossenheit schon ins Wanken: eine Menge Hosen, viele weit über zehn Jahre alt. Da sind aber schöne dabei, dachte ich mir. Ich probierte sie an. Einige konnten wirklich aussortiert werden. Ein paar behielt ich, die Mode ist ja sehr vielfältig. Schon am nächsten Tag zog ich eine schöne lila Samthose an, die mochte ich einmal sehr gern …

Ich fühlte mich den ganzen Tag nicht wohl darin, als hätte ich etwas an, das nicht passt. Mir ging auf, dass es genau so war! Diese Hose hatte eine Energie, die nicht mehr zu mir passte. Genau wie die anderen Sachen, die ich noch zurückgehalten hatte, für den Fall der Fälle, der niemals eintreten würde. So, wie er auch in den letzten Jahren nicht eintrat.

Dann wurde ich wagemutiger, und traute mich an eine Kommode: Sie stand laut Feng Shui in der Wohlstands- bzw. Reichtums-Ecke. In ihr befanden sich passenderweise meine Finanzordner, und allerhand Krimskrams: alte Deko, Geschenke, und noch einiges mehr. Ich ahnte, dass es für meine Finanzen von Vorteil wäre, dort Ordnung zu schaffen. Ich trennte mich von allem, was ich nicht benutzte, nicht schön fand und was wirklich überflüssig war. Bei den Ordnern staunte ich, wieviel Papierkram auch dort überflüssig war.

Erinnerungen
In einer Kiste befanden sich alte Briefe und Postkarten. Wollte ich noch Energien, die längst vergangen sind, in meinem Umfeld haben? Nein. Auch was in Schränken verborgen ist und ich nicht sehe: mein Unterbewusstsein sieht es.

Und so fing ich an, mich bei allem zu fragen:

  • Wie ist mein Gefühl dazu?
  • Gibt es mir Energie, oder zieht es mir Energie?
  • Was passiert energetisch, wenn ich Fotos, Briefe, Gegenstände von anderen Menschen in und auf den Schränken lagere? Sind es überhaupt noch Verbindungen, die mich in meinem JETZT mit Freude erfüllen?
  • Welche Dinge stärken mich, welche nicht, oder nicht mehr?

Ich fing an wahrzunehmen, wo die Energie frei floss, und wo es eher dicht war und stagnierte.

Einige Briefe schaute ich mir noch einmal an, nahm mir Zeit, um diese Zeit zu verabschieden. Ich bedankte mich innerlich bei den Menschen, die mich einmal begleitet haben.

Die Briefe kamen auf einen Haufen, ein Ritual erschien mir angebracht. Zuerst machte ich sie klein, indem ich sie zerschnitt oder zerriss. Da ein offenes Feuer im Wohnzimmer keine gute Idee ist, zündete ich in meinem Geist ein violettes Feuer an und gab alles in die Tonne.

Auf diese Art verabschiedete ich mich auch einmal von hunderten von (Papier)Fotos, und aus dem großen Karton wurde ein kleiner handlicher.

Loslassen
Umso mehr ich los ließ, umso leichter fühlte ich mich. Teilweise auch wackelig. Es schien gleichzeitig aus meinem System heraus zu gehen. Vieles ordnete sich neu.

Danach stellte ich viele Bücher in den Hausflur, welche schnell neue Leser fanden. An einen DJ gingen 50 CDs, die ich seit Jahren nicht mehr hörte und mich emotional in die Vergangenheit brachten, die nicht mehr existierte. Sie ist vergangen.

Die Fläche unter dem Bett ist auch ein beliebter Ablageort. Zu was wird dort eigentlich abgelegt? Zum Einstauben? Wieviel Energie wird eigentlich gebraucht, um die Sachen, die nicht stärken, zu entstauben? Und so zog ich alte Taschen, Handtaschen und Co. unter dem Bett hervor, und erfreute mich hinterher an der freien Fläche. Herrlich, diese Weite.

Übrigens ist es Feng-Shui-mäßig überhaupt nicht förderlich, z. B. auf einer Kiste mit Fotos zu schlafen. Doch auch auf einer alten Mikrowelle, die klammheimlich im Bettkasten verweilt, empfehle ich nicht zu schlafen. Das ist mir einmal auswärts passiert. Genauso wie auf alten Stiefeln. Oder Reisekoffern. Besonders den Sensiblen und Feinfühligen empfehle ich, unter die Betten zu schauen. Doch Bettwäsche z.B. lässt sich gut in einem Kasten unter dem Bett aufbewahren.

Das Unterbewusstsein
Dann ging ich tiefer: ins Unterbewusstsein, den Keller.
Dort wurde in den Jahren das abgelegt, was oben keinen Platz hatte.
Ich entsorgte fachgerecht Farbeimer, eine Kiste mit altem Schulmaterial brachte ich leichtfüßig in den Altpapiercontainer. Danach wartete noch ein großer Karton auf mich: der Erinnerungskarton. Vom Unterbewusstsein nahm ich ihn mit hoch in die Wohnung. Ich machte ihn auf und schaute ihn durch. Viele Erinnerungen. Aufzeichnungen und Zeichnungen meiner ersten Schuljahre. Diese Sachen erzählten mir etwas von mir und ich hörte zu. Doch aufheben wollte ich sie nicht mehr, ich war so im Fluss, dass es kein Halten mehr gab.

Als nächstes sah ich ein Poesiealbum. Lehrer, Priester, Kinder schrieben mir Sprüche ein. Viele Sprüche waren liebevoll und stärkend. Doch die meisten ermahnend und voll von fragwürdigen Glaubenssätzen. Komischerweise fiel es mir schwer, mich davon zu verabschieden. Dieses Buch hatte mich zu lange begleitet … doch ich tat es! – Diese Glaubenssätze sollten nicht mehr zu meiner Welt gehören!

Ich entdeckte noch ein Päckchen, gefüllt mit Briefen aus meiner Kindheit und Teenagerzeit – von ersten Freunden und besten Freundinnen.

Ich fing an einige zu lesen, musste lachen, und Liebe für die Zeit und diese Menschen durchströmte mich. Doch schnell spürte ich, dass es zu viel war. So viele Briefe, und ich konnte nicht mehr. Ich war müde. So viel Vergangenheit, und ich wollte nicht noch einmal alles durchleben. Es war gut, und jetzt ist jetzt.

Ich brachte die Briefe weg und fühlte mich leichter.

Mir war vorher nicht klar, dass ich so viel mit mir herumgeschleppt hatte. Es war, als hätte ich in einem geschlossenen Raum die Fenster aufgemacht, und erst dann gemerkt, dass die Luft im Zimmer stickig war.

Seitdem öffnete und öffne ich immer mal wieder ein Fenster, um noch mehr frische Luft herein zu lassen. Mehr und mehr habe ich Platz für mich.

Melanie Ackermann

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2 Kommentare
  1. Gosia Anna Sereda
    Gosia Anna Sereda sagte:

    Wow! Was für ein inspirierender Fluss zu mehr KLAR-Heit. Die Entschlossenheit der Autorin, die scheinbar keine Gnade über energetisch unwichtige bis hin neutrale Energie der „Dinge“ walten lässt, motiviert mich doch sehr. Ebenso klar und entschlossen zu Fühlen, was noch zu Mir gehört und was nicht ( und ohne Umwege in die Tonne kann).
    Es gibt noch einiges Aufzuräumen…
    Aufrichtigen Dank an die liebe Melanie Ackermann! Alles Gute, G***

    Antworten

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